Nach Psychoterror-Vorwürfen: DHB-Frauen starten bei EM

Das Torewerfen kann endlich beginnen.

Am heutigen Freitag startet die Handball-EM der Frauen 2022 in Montenegro, Nordmazedonien und Slowenien. Die DHB-Spielerinnen bestreiten ihre Auftaktpartie dann am Samstag (20:30 Uhr) gegen Polen.

Neu-Bundestrainer Markus Gaugisch soll die deutschen Handballerinnen zur ersten Medaille bei einem Großereignis seit 15 Jahren führen. Er selbst sehe Edelmetall sogar „im Bereich des Möglichen“, sagte der 48-Jährige dem SID. (Tabellen der Handball-EM Frauen)

Die Vorbereitung war von Vorwürfen psychischer Gewalt gegen den ehemaligen Trainer von Borussia Dortmund, André Fuhr, überschattet worden. Der Vorfall schlug auch Wellen über den Vereinshandball hinaus. Von „Psychoterror im deutschen Frauenhandball“ war die Rede.

Ehemalige Spielerinnen erhoben schwere Anschuldigungen, das Team kritisierte seine Methoden, die deutschen Nationalspielerinnen Mia Zschoke und Amelie Berger verließen gar den Verein.

DHB-Spielerinnen mit EM-Vorfreude

Der Deutsche Handball-Bund rief daraufhin, auch auf Druck seiner Spielerinnen, eine unabhängige Expertenkommission ins Leben.

„Wir haben da im direkten Vorfeld genug Raum gehabt, um in vielen Konstellationen die Themen durchzusprechen“, sagte Sportvorstand Axel Kromer. Der DHB habe mit der Gründung einer unabhängigen Expertenkommission, die den Fall aufarbeiten wird, „eine Lösung gefunden“.

Kromer betonte, dass das Thema „uns tierisch beschäftigt. Wir haben ganz lange Zeit mit diesem Thema gekämpft.“ Nun sei er „auch froh, dass der Fokus auch jetzt durch die guten Leistungen der Damen hoffentlich dann auf das Handballspiel der Frauen gelenkt wird“.

Und die Vorfreude auf die EM scheint unterdessen auch bei den Spielerinnen angekommen zu sein: „Wir sind heiß darauf, dass es endlich losgeht“, sagte Co-Kapitänin Emily Bölk vor dem Start der Medaillenjagd.

Um Platz sieben der vergangenen EM und WM zu übertreffen, soll mit Markus Gaugisch jetzt der Faktor auf der Trainerbank gefunden worden sein.

Die Abwehrphilosophie von Gaugisch sei zwar „relative ähnlich“ im Vergleich zu Vorgänger Henk Groener, aber besonders offensive setzt der neue Coach wichtige Impulse. „Da hat Markus viel guten Input reingebracht, viel Variabilität, viele Ideen, die zu uns als Spielertypen passen“, erklärte Bölk.

Klar ist aber auch, dass nach langen medaillenlosen Jahren für das DHB-Team ein gewisser Erfolgsdruck auf Gaugisch lastet. Fünf Bundestrainer versuchten sich nach WM-Bronze unter Armin Emrich 2007 verblich.

Gaugisch soll als Nummer sechs nun endlich den ersehnten Erfolg bringen – auch auf Bundesebene. Der 48-Jährige steht nämlich parallel noch bei der SG BBM Bietigheim unter Vertrag, mit der er das Triple der Frauen holte und sagenhafte 58 Pflichtspiele nacheinander gewann.

Dass der Erfolgscoach auch für die EM große Ziele hat, ist verständlich. Die Konkurrenz um Welt- und Europameister Norwegen und Olympiasieger Frankreich ist dennoch hervorragend besetzt.

Hohe Prämie für DHB-Spielerinnen ausgelobt

Eine zusätzliche Motivationsspritze für die deutschen Spielerinnen kam allerdings noch vom Verband. Gerade in dieser schwierigen Phase hat der Handballbund ein Zeichen für Equal Pay gesetzt und wie zuletzt bei den Männern 250.000 Euro an Prämien für einen möglichen Titelgewinn ausgelobt.

Die Kapitäninnen Bölk und Alina Grijseels schätzten den Schritt als „starkes Signal für den Frauensport“.

Bei der Generalprobe vor dem Turnier offenbarte das Team allerdings noch ungeahnte Schwächen, wandte beim 29:29 gegen Rumänien trotz schwacher Leistung und Drei-Tore-Rückstand in der Schlussphase aber noch eine Niederlage ab.

Und wenn die Generalprobe nicht glückt, therefore soll die Premiere ja umso besser werden.

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Mit Sport-Information-Dienst (SID)

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